„Mutig“ heißt nicht „unüberlegt“

im Interview mit Dr. Bernhard Schulze Dieckhoff, Ziehl-Abegg

Sie sind für Ziehl-Abegg von Anfang an bei der Neuentwicklung der Kampmann Lufterhitzer dabei. Geben Sie uns einen Einblick in den Projektstart?

Wir arbeiten schon lange mit Kampmann zusammen und vertrauen einander, was sehr wichtig für ein so weitreichendes Projekt ist. Die Entscheidung, die gesamte Lufterhitzerserie auf EC-Technologie umzustellen ist, wie der Kampagnenname schon verrät, sehr konsequent. Ein wesentlicher Treiber dafür waren sicherlich die zunehmenden Effizienzanforderungen durch die ErP Richtlinien. Die Hürden der nächsten ErP-Stufe, die eigentlich 2020 kommen sollte, werden ordentlich angehoben. Für Ventilatoren mit AC Technik wird es dann bereits in einigen Fällen sehr eng, da die AC-Technik nicht das Effizienzniveau der EC-Technik erreicht. 

Womit wir schon direkt in die Materie des Themas einsteigen … 

Ja, denn auch für uns ist genau diese Thematik extrem interessant. Bei diesem Projekt hatten wir die Möglichkeit unsere Kernkompetenz von Beginn an mit einzubringen. Durch enge Zusammenarbeit der Entwicklungsabteilungen und zahlreiche Messungen der Komplettgeräte konnten wir die Ventilatoren optimal auf Ihre Lufterhitzer abstimmen. 

Wir sind übrigens froh, dass wir nicht erst dabei sind, nachdem die Entscheidung zur EC-Technologie gefallen ist, sondern dass wir vermutlich auch einen Teil zu dieser Entscheidung beigetragen haben. Es ist sehr spannend so früh bei so wichtigen strategischen Entscheidungen involviert zu sein. Genau dann bietet sich die Chance, die Zusammenarbeit noch erfolgreicher zu gestalten. 

Wir hören aktuell des Öfteren als Feedback, dass der harte Schnitt mit der AC-Technik „mutig“ ist. Wie sehen Sie das?

Ja, auch ich halte den für mutig. Das ist eine sehr weitreichende, strategische Entscheidung. „Mutig“ heißt aber nicht „unüberlegt“. Es gibt viele sehr gute Gründe, das genau jetzt zu machen. Vor allem wenn es absehbar ist, dass einige technische Lösungen mit AC-Technik vermutlich nicht mehr realisierbar sein werden. Der Zeitpunkt ist gut und konsequent gewählt, auch um einen möglichen „Flickenteppich“ zu vermeiden - und zudem, ist diese Entscheidung eine gute Basis, um den technologischen Vorsprung weiter auszubauen. 

In Ihrer Konsequenz der Durchführung haben Sie meines Erachtens eine Vorreiterrolle übernommen. Das macht Ihre Entscheidung ja so bemerkenswert. Wir würden dieses Interview vermutlich nicht führen, wenn dies bereits ein erkennbarer Trend wäre bei dem Sie „nur“ „mitschwimmen“ würden.  

Um nun tiefer in die Technik einzusteigen... Darf man sagen: „Die EC-Technologie spielt ihre Stärken mit einer passenden Regelung aus?“

Zunächst ist da einmal der sehr hohe Wirkungsgrad der EC-Motoren. Dieser ist überhaupt eine notwendige Basis vieler zukünftiger ErP-konformer Lösungen. 

Dieses, gepaart mit der hervorragenden Regelbarkeit der EC-Motoren ergibt ein großes Einsparpotenzial. Dazu haben die Motoren alles was für die Drehzahlsteuerung erforderlich ist, bereits an Bord. Sie brauchen „nur noch“ ein Ansteuerungssignal, damit sie „wissen, was sie tun sollen“. Dieses Signal können sie entweder z.B. herkömmlich über ein Spannungs- oder Strom-Steuersignal bekommen, oder aber noch vielseitiger, z.B. über eine Modbus Schnittstelle. 

Mit dieser ist es zudem möglich, viele weitere Daten auszutauschen, die der Betriebsüberwachung dienen können. Das wären z.B. Drehzahlen, Motortemperaturen, elektrische Daten, Fehlermeldungen und – je nach Motor – sogar Schwingungen. Diese Vielzahl von Informationen eröffnen ganz neue Perspektiven bei der Betriebsüberwachung, bis hin zur „Predictive Maintenance“, also einer vorausschauenden Wartung.  

Wie bewerten Sie das Zusammenspiel der Ziehl-Abegg EC-Motoren mit der Regelungstechnik von Kampmann?

Bzgl. der Kommunikations- und Regelungstechnik arbeitet Kampmann ja bereits auf einem sehr hohen Niveau. Es gibt bereits solide Erfahrungen bzgl. der Vernetzung und Kommunikation über Modbus. Kampmann ist in der Lage sehr viel des großen Potenzials der Motoren zu nutzen. 

Welche Potentiale der EC-Technologie sehen Sie noch hinsichtlich der allseits umgreifenden Forderungen nach „Konnektivität“ und „Data Harvest“?

Wie eben erwähnt, bietet die heutige EC-Technik diesbezüglich bereits viele Möglichkeiten. Unter Anderem ist die Bus-Kommunikation Modbus RTU Standard in vielen EC-Motoren. Des Weiteren bietet die Ziehl-Abegg EC-Technologie viele weitere Bus und Ethernet Schnittstellen wie z.B. Ethercat oder Profinet. 

Die nächste Verschärfung der Ökodesign-Richtline für energieverbrauchsrelevante Produkte (ErP) haben Sie bereits angesprochen. 2022 soll es so weit sein. Ich stelle mal die These in den Raum: „Wer jetzt schon auf EC-Geräte setzt, ist auf der sicheren Seite?“ Oder müssen Planer und Fachhandwerker noch nicht daran denken? 

Ob es dann 2022 etwas wird, werden wir sehen. Als sicher gilt aber, dass die Verordnung irgendwann scharf geschaltet wird. Meines Erachtens sind Hersteller, Planer und Handwerker auf jeden Fall gut beraten diesen Faktor mit einzubeziehen – Denn die Hürden werden dann kräftig angehoben und darauf sollte man meiner Meinung nach vorbereitet sein. 

Das waren viele gute Argumente für die EC-Technik. Wie würden Sie nun die Vorteile für Planer oder den Fachhandwerker zusammenfassen und was hat der Endkunde davon?

Die wesentlichen Vorteile, die hohe Effizienz und die sehr gute Regelbarkeit, genießt der Endkunde in Form niedriger Energiekosten durch effizienten Betrieb. 

Einen weiteren sehr großen Vorteil bietet die genannte sehr umfangreiche Betriebsüberwachung. Hier können zum einen die eigentlichen Betriebsbedingungen und Parameter überwacht werden. Zum anderen können in Zukunft aber auch ggf. erforderliche Wartungsarbeiten besser geplant werden. Das spart ebenfalls Kosten und erhöht dabei noch die Betriebssicherheit. 

Die Planer und Fachhandwerker sparen Aufwand bei Planung und Installation, da im EC-Ventilator bereits Motor, Steuerung und Leistungselektronik kompakt vereint sind.

Gerade die Kostenersparnis war bislang ein klares Argument für die AC-Technik. Gilt das nicht mehr?

Die Investitionskosten sind bekanntlich bei AC-Ventilatoren geringer als bei EC-Ventilatoren. AC-Ventilatoren sind aber auch kaum mit EC-Ventilatoren zu vergleichen. Alles, worüber wir bis jetzt gesprochen haben, sind die herausragenden Ausstattungsmerkmale, die bereits feste Bestandteile des EC-Motors sind. Der AC-Motor hat das einfach alles nicht. Allein schon für die Drehzahlsteuerung sind zusätzliche Komponenten und Maßnahmen erforderlich, die den Kosten des Motors hinzugerechnet werden müssen, wenn man die Konzepte seriös vergleichen möchte.
 
Ich bin davon überzeugt, dass bei Berücksichtigung aller Kosten und Aufwände, die EC-Lösung für den Betreiber unterm Strich bereits nach kurzer Amortisationszeit die günstigere ist. 

Den Wechsel von AC auf EC kann man in vielerlei Hinsicht als einen entscheidenden Evolutionsschritt bezeichnen. Meinen Sie, es wird es einen weiteren Quantensprung geben? Oder anders gefragt: Was kommt nach EC? Wie beurteilen Sie die technologische Entwicklung in den nächsten Jahren? 

EC-Motoren haben bereits einen Motorwirkungsgrad von bis zu 93 %. Hier wird es sicherlich noch den ein oder anderen Entwicklungsschritt geben, aber Quantensprünge sind hier physikalisch schlicht nicht mehr möglich. 

Allerdings schreitet die digitale Transformation in allen Industriebereichen rasant voran. Studien zeigen, dass in Zukunft ca. 30 % des IoT-Marktes für intelligente Gebäude mit KI-Technologien ausgestattet sein werden. 

Dazu hat ZIEHL-ABEGG in den letzten Jahren viel Aufwand und Ressourcen in die Entwicklung einer Cloud Plattform gesteckt. Die Cloud Plattform „ZAbluegalaxy“ stellt alle erforderlichen Komponenten als externe Dienstleistung zur Verfügung. 

Der Betreiber profitiert dann durch eine standortübergreifende Vernetzung und die zur Verfügung stehenden Daten und Analysemöglichkeiten. Indem er die Betriebsdaten in Echtzeit visualisieren und auswerten kann, kann er seine Anlagen besser verwalten und effizienter betreiben.
Zudem bildet die Auswertung der Daten eine Grundlage für eine vorausschauende und optimierte Wartung. Service und Wartung können so effektiver eingeplant werden. 

Zusammenfassend bietet die Optimierung der Fahrweise lufttechnischer Anlagen vermutlich das größte Potenzial. Dieses Potenzial wächst mit den technischen Möglichkeiten. Und da haben wir gerade einen großen Schritt realisiert.  

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